Neuerscheinungen

Gabriele Hammermann, Stefanie Pilzweger-Steiner (Herausgeber)
KZ-Gedenkstätte Dachau: Ein Rundgang
Verlag: Utz, Herbert (1. September 2017), 88 Seiten, 8 Euro, ISBN-13: 978-3831646630

Die Rundgangsbroschüre ist ein Informationsangebot für die Besucher/-innen der KZ-Gedenkstätte Dachau. Sie führt in zwanzig Stationen durch das Gelände sowie die Ausstellungen und in sechs weiteren Stationen durch die Umgebung der Gedenkstätte. In knapper Form vermittelt die Rundgangsbroschüre den aktuellen Forschungsstand zur Geschichte des KZ Dachau und des Ortes von 1945 bis heute. Dabei veranschaulichen zahlreiche aktuelle und historische Fotografien sowie viele Zeichnungen und Berichte von Überlebenden die Darstellung. Mithilfe von Übersichtsplänen lassen sich Relikte des Konzentrationslagers und die Gedenkorte eigenständig aufspüren; Luftbilder stellen einen Bezug zwischen dem Gelände des Konzentrationslagers und der heutigen Gedenkstätte her. Die Rundgangsbroschüre ermöglicht den Besicher/-innen so nicht nur eine strukturierte und zielgerichtete Erkundung der KZ-Gedenkstätte Dachau, sondern sie eignet sich auch ideal zur Vor- und Nachbereitung eines Besuchs.


Jörg Osterloh, Kim Wünschmann (Hg.)
»... der schrankenlosesten Willkür ausgeliefert« Häftlinge der frühen Konzentrationslager 1933 – 1936/37
Wissenschaftliche Reihe des Fritz Bauer Instituts, Band 31 2017 · 459 Seiten · 13-seitiger Sw.-Bildteil
D 39,95 € · A 41,10 € · CH 48,70 Fr. (UVP) ISBN 978-3-593-50702-6. Auch als E-Book erhältlich

Schon bald nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 verhafteten die Nationalsozialisten Tausende Gegner. Nach Behördenaufstellungen betrug 1933 die Zahl der Schutzhaftgefangenen rund 100.000. Wie die neuere Forschung zeigt, waren diese Angaben jedoch unvollständig, da Personen, die nur für sehr kurze Zeit und ohne Schutzhaftbefehl in einem Konzentrationslager eingesperrt worden waren, in den Statistiken nicht auftauchten. Die Gesamtzahl der 1933 zeitweise in Haft Genommenen muss daher auf 150.000 bis 200.000 geschätzt werden. Rechtsgrundlage war die »Verordnung zum Schutz von Volk und Staat« vom 28. Februar 1933. Die Lager dienten zur Demütigung und Ausschaltung der Opposition, zur Einschüchterung der Bevölkerung und damit zur Sicherung des NS-Regimes.
Dieser Band nimmt erstmals systematisch die wichtigsten Häftlingsgruppen der Konzentrationslager im Zeitraum von 1933 bis 1936/37 in den Blick, darunter Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Juden, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und »Asoziale«. Die Beiträge fragen nach den Arrest- und Entlassungspraxen, den Haftbedingungen und -erfahrungen sowie nach den Strategien der Selbstbehauptung und des Widerstands.

Jörg Osterloh, Dr. phil., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main. Kim Wünschmann, Dr. phil., ist DAAD-Fachlektorin am Historischen Seminar der Universität Sussex.

Der Sammelband befasst sich in mehreren Beiträgen auch mit dem Konzentrationslager Dachau, u. a. in einem Aufsatz von Dirk Riedel, "Vom Terror gegen politische Gegner zur rassistischen Gesellschaft. Die Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau 1933 bis 1936"
Inhaltsverzeichnis und Leseprobe können Sie beim Campus Verlag herunterladen: http://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/geschichte/der_schrankenlosesten_willkuer_ausgeliefert-10893.html


Adam Kozlowiecki
Not und Bedrängnis: Als Jesuit in Auschwitz und Dachau. Lagertagebuch

Pustet Verlag 2016, 700 Seiten, gebundene Ausgabe 34,95 Euro

Wissen wir noch immer nicht alles Nötige über das millionenfache Leid in den Konzentrationslagern Auschwitz und Dachau? Kann ein weiteres Tagebuch noch neue Einsichten liefern? Nach der Lektüre von Kozlowieckis Lagertagebuch muss man die Frage bejahen. Da der Autor sich konsequent an das Genre des Tagebuchs hält, befördert er zahlreiche Details ans Licht, von denen jedes einzelne banal erscheinen mag, in der Summe zeichnen sie aber ein beklemmendes Bild der Lagerrealität und ziehen den Leser förmlich in diese Realität hinein. Auch ist die Perspektive ungewohnt: Der Autor ist Priester und Ordensmann und reflektiert seine Erfahrungen aus dezidiert christlicher Sicht. Eingesperrt, geschlagen, getreten, beschimpft und hungrig, bewahrt er in sich doch die Sensibilität für das Gute im Menschen, kann auch noch in den kleinsten und unscheinbarsten Gesten Anzeichen menschlicher Güte erahnen.


Nikolaus Wachsmann
KL. Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager.
Siedler Verlag, München 2016, 984 S., 39,90 €.

Ein historisches Werk, das seinesgleichen sucht: Nikolaus Wachsmanns lang erwartete, monumentale Geschichte der Konzentrationslager von den improvisierten Anfängen 1933 bis zu ihrer Auflösung 1945. Diese erste umfassende Darstellung vereint auf eindrückliche Weise sowohl die Perspektive der Täter als auch jene der Opfer, sie zeigt die monströse Dynamik der Vernichtungspolitik und verleiht zugleich den Gefangenen und Gequälten eine Stimme. Ein gewaltiges Buch – erschütternd und erhellend zugleich.
Für seine Geschichte der Konzentrationslager hat Nikolaus Wachsmann eine enorme Menge an Quellen und Forschungsliteratur ausgewertet, Tagebücher und Briefe der Lagerinsassen, Prozessunterlagen, SS- und Polizeiakten, ein Teil davon erstmals hier verwendet. Auf diese Weise konnte er die Praktiken der Täter, die Einstellungen der Gesellschaft und die Welt der Opfer in einem großen epischen Rahmen zusammenführen, konnte das Leben und Sterben im Lager, die individuellen Schicksale schildern, aber auch die politischen, ökonomischen und militärischen Umstände, die Hintergründe der NS-Vernichtungspolitik. Beides, die Nahaufnahme wie die historische Entwicklung, vereint Wachsmann zu einer eindringlichen Erzählung – ein historisches Werk, das, wie Ian Kershaw schreibt »kaum jemals übertroffen werden wird«.

Rezensionen:

FAZ, 22.04.2016
Und denkt daran, was sie litten
Kann man noch etwas Neues über die Konzentrationslager erfahren? Der Historiker Nikolaus Wachsmann hat tausend Seiten darüber geschrieben, extrem gefiltert und doch erdrückend – eine Erzählung, die wohl nicht mehr übertroffen wird.

NDR.de, 03.05.2016
Nikolaus Wachsmann über sein Buch "KL"

Die Welt, 21.05.2016
Denn alles wissen wir längst noch nicht
Die Literatur zu den Konzentrationslagern ist unüberschaubar. Nikolaus Wachsmanns Buch "KL" aber schließt eine Lücke – die erste Gesamtdarstellung des Lagersystems von den chaotischen Anfängen bis zur Eskalation der Vernichtung

Süddeutsche Zeitung, 08.06.2016
Wie das KZ-System wucherte
Nikolaus Wachsmanns Buch über die KZ-Gesamtgeschichte zeigt: Wir sind noch lange nicht fertig mit der Aufarbeitung des Nazi-Terrors.

Der Tagesspiegel, 17.08.2016
Terror von Anfang bis Ende
Der Historiker Nikolaus Wachsmann stellt das System der Konzentrationslager in all seinen Aspekten dar. Eine Rezension.


Stefan Hördler,
Ordnung und Inferno. Das KZ-System im letzten Kriegsjahr.
Wallstein Verlag, Göttingen 2015. 531 S., 46,- €.

Stefan Hördler, der Leiter der Gedenkstätte Mittelbau-Dora, stellt den aktuellen Forschungsstand, die Schlussphase der nationalsozialistischen Konzentrationslager sei durch Desorganisation, Chaos und Willkür geprägt gewesen, in Frage: Er zeigt, dass ab März 1944 eine umfassende Neuordnung des KZ-Systems einsetzte, und dass das letzte Kriegsjahr eine eigenständige Phase in der Genese der Lager darstellte. Ab 1944 verfolgte das NS-Regime zwei Ziele: erstens eine forcierte Ökonomisierung und zweitens eine Stabilisierung des Lagersystems. Zur Analyse beider Dimensionen führt der Autor den Begriff der Rationalisierung ein, unter dem sowohl die Massenmorde als auch eine utilitaristisch ausgerichtete 'Auslese' der arbeitsfähigen Häftlinge als Teile dieser Entwicklung zusammengefasst werden können.

Besprechung: FAZ, 01.02.2016, Die Opfer bleiben fast unsichtbar


Paul Weindling,
Victims and Survivors of Nazi Human Experiments: Science and Suffering in the Holocaust
Bloomsbury, London 2015. 336 Seiten, 27,80 €

While the coerced human experiments are notorious among all the atrocities under National Socialism, they have been marginalised by mainstream historians. This book seeks to remedy the marginalisation, and to place the experiments in the context of the broad history of National Socialism and the Holocaust. Paul Weindling bases this study on the reconstruction of a victim group through individual victims' life histories, and by weaving the victims' experiences collectively together in terms of different groupings, especially gender, ethnicity and religion, age, and nationality. The timing of the experiments, where they occurred, how many victims there were, and who they were, is analysed, as are hitherto under-researched aspects such as Nazi anatomy and executions. The experiments are also linked, more broadly, to major elements in the dynamic and fluid Nazi power structure and the implementation of racial policies. The approach is informed by social history from below, exploring both the rationales and motives of perpetrators, but assessing these critically in the light of victim narratives.

Besprechung: Die offene Wunde der NS-Humanexperimente, in "Der Standard", 30.06.2016


John C. McManus
Hell Before Their Very Eyes: American Soldiers Liberate Concentration Camps in Germany, April 1945
Johns Hopkins University Press, 2015, 216 pages, 47,15 Euro

Review


Gedenkstättenpädagogik: Kontext, Theorie und Praxis der Bildungsarbeit zu NS-Verbrechen
von Elke Gryglewski (Herausgeber), Verena Haug (Herausgeber), Metropol-Verlag, Berlin 2015, 22 Euro

Seit vielen Jahren sind Gedenkstätten für die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen auch Lernorte. Der vorliegende Band gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Bildungsarbeit vor Ort. Er beleuchtet die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen, führt in grundsätzliche Debatten ein und stellt die vielfältige pädagogische Arbeit ebenso wie ein breites Spektrum an Gedenkstätten vor. Als Bindeglied zwischen Theorie und Praxis wendet sich das Buch an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gedenkstätten, an Lehrkräfte in Schulen und außerschulischen Einrichtungen sowie an Studierende.


Nikolaus Wachsmann
KL: A History of the Nazi Concentration Camps
Little, Brown, 2015, 880 pages, 19,75 Euro


In March of 1933, a disused factory surrounded by barbed wire held 223 prisoners in the town of Dachau. By the end of 1945, the SS concentration camp system had become an overwhelming landscape of terror. Twenty-two large camps and over one thousand satellite camps throughout Germany and Europe were at the heart of the Nazi campaign of repression and intimidation. The importance of the camps in terms of Nazi history and our modern world cannot be questioned.
Dr Nikolaus Wachsmann is the first historian to write a complete history of the camps. Combining the political and the personal, Wachsmann will examine the organisation of such an immense genocidal machine, whilst drawing a vivid picture of life inside the camps for the individual prisoner. The book will give a voice to those typically forgotten in Nazi history: the 'social deviants', criminals and unwanted ethnicities that all faced the terror of the camps. Wachsmann will explore the practise of institutionalised murder and inmate collaboration with the SS selectively ignored by many historians. Pulling together a wealth of in-depth research, official documents, contemporary studies and the evidence of survivors themselves, KL will be a complete but accessible narrative.


Bastian Hein
Die SS: Geschichte und Verbrechen
127 Seiten, C.H.Beck Verlag, Februar 2015,  ISBN-13: 978-3406675133, 8,95 Euro

Die SS - untrennbar ist dieses Kürzel mit der Ermordung der europäischen Juden verbunden, dem wohl größten Menschheitsverbrechen aller Zeiten. Überall auf der Welt stehen die beiden Buchstaben als Synonym für das Böse schlechthin.
Doch wie genau wurde der "Schwarze Orden" zum Vollstrecker des nationalsozialistischen Rassenwahns?
Auf dem neuesten Stand der Forschung führt Bastian Hein in die Geschichte des Staatsschutzkorps des Dritten Reiches ein, beschreibt die Entstehung der Organisation, ihren Kult sowie die Auslese des Personals und schildert die von der SS verübten Verbrechen.


Christopher Dillon
Dachau and the SS: A Schooling in Violence
320 pages, Oxford University Press, January 2015, ISBN 978-0199656523, 92,45 Euro

Dachau and the SS studies the concentration camp guards at Dachau, Hitler's first concentration camp and a national 'school' of violence for all concentration camp personnel. Set up in the first months of Hitler's rule, it was a bastion of the Nazi 'revolution' and a key springboard for the ascent of Heinrich Himmler and the SS to control of the Third Reich's terror and policing apparatus. Throughout the pre-war era of Nazi Germany, Dachau functioned as a national academy of violence where SS concentration camp personnel were schooled in steely resolution and the techniques of terror. An international symbol of Nazi depredation, Dachau was the cradle of a new and terrible spirit of destruction. Combining new research on the pre-war history of Dachau with theoretical insights from studies of perpetrator violence, this volume offers the first systematic study of the 'Dachau School'. It challenges assumptions about concentration camp violence as the product of individual pathologies, whether of ideological zealots or mindless sadists, and explores the backgrounds and socialization of thousands of often very young men in the camp. Christopher Dillon analyses recruitment to the Dachau SS and evaluates the contribution of ideology, training, masculinity, and social psychology to the conduct and subsequent careers of concentration camp guards. Graduates of the Dachau School would go on to play a central role in the wartime criminality of the Third Reich, particularly at Auschwitz. Dachau and the SS makes an original contribution to the pre-history of the Holocaust, and to the social and institutional organisation of violence.

Christopher Dillon ‘We’ll Meet Again in Dachau’: The Early Dachau SS and the Narrative of Civil War


Sanierung - Rekonstruktion - Neugestaltung: Zum Umgang mit historischen Bauten in Gedenkstätten
Hrsg. von Gabriele Hammermann und Dirk Riedel
248 Seiten, Wallstein 12/2014, ISBN 978-3835314511, 24,90 Euro

Im »Kräutergarten« des KZ Dachau mussten zahlreiche Häftlinge Zwangsarbeit leisten. Heute ist das Gelände größtenteils überbaut, denkmalgeschützte Gebäude verfallen. Auf einer Tagung der KZ-Gedenkstätte Dachau diskutierten Experten über den Umgang mit dem »Kräutergarten« und ähnlichen Baurelikten, die in Dachau und anderen Gedenkstätten in Vergessenheit geraten sind.


Iris Hofer-Englmaier, Holocaustausstellungen an Stätten des Gedenkens im internationalen Vergleich –
Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Israel
(als pdf zum Download)


Timothy Ryback
Hitler's First Victims: And One Man's Race for Justice
288 pages, Knopf 2014, ISBN 978-0385352918, 15,95 Euro

The remarkable story of Josef Hartinger, the German prosecutor who risked everything to bring to justice the first killers of the Holocaust and whose efforts would play a key role in the Nuremberg tribunal.
Before Germany was engulfed by Nazi dictatorship, it was a constitutional republic. And just before Dachau Concentration Camp became a site of Nazi genocide, it was a state detention center for political prisoners, subject to police authority and due process. The camp began its irrevocable transformation from one to the other following the execution of four Jewish detainees in the spring of 1933. Timothy W. Ryback’s gripping and poignant historical narrative focuses on those first victims of the Holocaust and the investigation that followed, as Hartinger sought to expose these earliest cases of state-condoned atrocity.
In documenting the circumstances surrounding these first murders and Hartinger’s unrelenting pursuit of the SS perpetrators, Ryback indelibly evokes a society on the brink—one in which civil liberties are sacrificed to national security, in which citizens increasingly turn a blind eye to injustice, in which the bedrock of judicial accountability chillingly dissolves into the martial caprice of the Third Reich.
We see Hartinger, holding on to his unassailable sense of justice, doggedly resisting the rising dominance of Nazism. His efforts were only a temporary roadblock to the Nazis, but Ryback makes clear that Hartinger struck a lasting blow for justice. The forensic evidence and testimony gathered by Hartinger provided crucial evidence in the postwar trials.
Hitler’s First Victims exposes the chaos and fragility of the Nazis’ early grip on power and dramatically suggests how different history could have been had other Germans followed Hartinger’s example of personal courage in that time of collective human failure.

Book Review: The Wall Street Journal, First Deaths at Dachau, 10/24/2014

Boston Globe, ‘Hitler’s First Victims’ by Timothy Ryback, 10/25/2014

Die Linke im Visier. Zur Errichtung der Konzentrationslager 1933
Hrsg. v. Nikolaus Wachsmann und Sybille Steinbacher

286 Seiten, Wallstein Verlag 2014, ISBN 978-3835314948, 20 Euro
Die Linke stand schon in der Weimarer Republik im Visier von Hitlers Anhängern. An die Macht gekommen, errichteten die Nationalsozialisten umgehend die ersten Konzentrationslager - in Militärgebäuden, Turnhallen, Gefängnissen, stillgelegten Fabriken, einstigen Rittergütern oder ausgedienten Schiffen.
Die Autorinnen und Autoren untersuchen die Verfolgung von Kommunisten und Sozialdemokraten und fragen nach den spezifischen Bedingungen der Lagerhaft und der gesellschaftspolitischen Funktion der frühen Konzentrationslager. Wie instrumentalisierten die Nationalsozialisten politische Gewalt? Welche Funktion hatten die SA und die SS? Gibt es einen Zusammenhang zwischen ihrer Verfolgung und bereits länger wirksamen politischen Vorbehalten gegen die Linke?


Abba Naor mit Helmut Zeller
Ich sang für die SS: Mein Weg vom Ghetto zum israelischen Geheimdienst
253 Seiten, C.H. Beck Verlag 2014, ISBN-13: 978-3406659836,16,95 Euro

Als Abba Naor am 2. Mai 1945 bei Waakirchen befreit wird, weiß der gerade 17-Jährige bereits mehr vom Tod, von Verzweiflung und menschlicher Brutalität, als die kampferprobten amerikanischen Truppen. Er ist 13, als seine Familie in das Ghetto in Kaunas umziehen muss. Sein älterer Bruder Chaim wird dort von der SS erschossen. 1944 wird die Familie über die Memel in das KZ Stutthof bei Danzig deportiert. Abba wird von seinem Vater getrennt und muss miterleben, wie seine Mutter und der jüngerer Bruder nach Auschwitz-Birkenau abtransportiert werden. Er sieht sie nie wieder. Abba meldet sich freiwillig für das Lager Kaufering I, weil er dort seinen Vater vermutet. Die elf Außenlager des Konzentrationslagers Dachau bei Kaufering/Landsberg waren die fürchterlichsten in Süddeutschland. Ungefähr die Hälfte der 30 000 jüdischen Zwangsarbeiter für die deutsche Rüstungsindustrie kam zu Tode. Nach der Befreiung findet er seinen Vater wieder. 1946 beschließt Abba Naor, nach Palästina zu gehen, wo er - nach einem illegalen Einwanderungsversuch und Zwangsaufenthalt auf Zypern - 1947 ankommt. Er kämpft 1948 als Soldat im Unabhängigkeitskrieg und wird später Mitarbeiter des Mossad. Dort ist er in den achtziger Jahren an der Rettung der äthiopischen Juden beteiligt.


Alex Kershaw
Der Befreier. Die Geschichte eines amerikanischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg
488 Seiten, Deutscher Taschenbuch Verlag 2014, ISBN-13: 978-3423280303, 24,90 Euro

Felix Sparks (1917 – 2007) stammte aus einer Bergarbeiterfamilie in Arizona und ließ sich nach der High School von der Armee anwerben, weil er in der Großen Depression keine Arbeit fand. Dann ging er ans College, um Jura zu studieren, und wurde erneut einberufen, als die USA sich für den Kriegseintritt rüsteten. Er nahm teil an der Invasion Siziliens 1943, war der einzige Überlebende seiner Einheit bei der Schlacht von Anzio, überlebte die deutsche Ardennenoffensive, den Häuserkampf in Aschaffenburg, wo der »Volkssturm« die Amerikaner aufzuhalten versuchte, und kommandierte die Einheit, die Dachau befreite.
Der Alltag an der Front, der Tod der anderen, die eigene Todesangst, Heimweh, Furcht und Tapferkeit, Hass, das Wunder und das Schuldgefühl des Überlebens, die ganze Psychologie des Krieges, der Versuch, sich die Menschlichkeit zu bewahren, vor allem die Sinnfrage: Warum machen wir das? Sie beantwortete sich für Sparks endgültig, als er nach Dachau kam.


Carl Schrade, Elf Jahre. Ein Berich aus deutschen Konzentrationslagern
Der Befreier. Die Geschichte eines amerikanischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg
336 Seiten, Wallstein Verlag 2014, ISBN-13: 978-3835313989,19,90 Euro

Die Berichte von Eugen Kogon, Hans Maršalek und Hermann Langbein über ihre Zeit in den Konzentrationslagern Buchenwald, Mauthausen und Auschwitz entstanden schon in der frühen Nachkriegszeit und waren für die Erinnerungsarbeit wegweisend. Auch Carl Schrade verfasste bald nach der Befreiung einen eindrucksvollen Bericht. Wegen mehrerer Vorstrafen für Eigentumsdelikte war er 1934 verhaftet und von da an als sogenannter Berufsverbrecher elf Jahre in Konzentrationslagern interniert worden: zunächst in Lichtenburg, Esterwegen, Sachsenhausen und Buchenwald und von 1939 bis zur Befreiung 1945 im KZ Flossenbürg. Dort wurde er Oberkapo im Krankenrevier und setzte sich unter Lebensgefahr für seine Mitgefangenen ein. So konnte er einen jungen polnischen Juden in der Typhusstation verstecken und ihn damit vor dem Todesmarsch bewahren.Zu Lebzeiten konnte Schrade keine Leserschaft für seinen Bericht finden. 2010 tauchte das Manuskript im Nachlass eines französischen Mithäftlings und Freundes auf. Mit der Publikation dieses Zeugnisses wird zum ersten Mal die Stimme eines als »Berufsverbrecher« verfolgten NS-Opfers laut. Diese äußerst heterogene Haftgruppe stand, ähnlich wie die als »Zigeuner« und »asozial« Verfolgten bereits vor 1933 am Rande der Gesellschaft; eine Ausgrenzung, die sich nach der Befreiung fortsetzte.


Nils Weise
Eicke. Eine SS-Karriere zwischen Nervenklinik, KZ-System und Waffen-SS
456 Seiten, Ferdinand Schöningh Verlag, 2013, ISBN-13: 978-3506777058, 39,90 €

Theodor Eicke, gescheiterter Unterzahlmeister des Ersten Weltkriegs, wurde erst zum Kommandanten des KZ Dachau, dann zu einem der fanatischsten SS-Generale, ehe er 1943 den Tod an der Ostfront fand. Niels Weise schildert die Karriere dieser furchtbaren Berühmtheit auf einer teilweise erstmals ausgewerteten Quellenbasis. So wird nicht nur die Bedeutung Eickes für den Aufbau des KZ-Systems und der Waffen-SS beleuchtet. Auch die von Bürgerkriegsphobien getragenen Übergänge zwischen NS-Bewegung und Rechtsterrorismus am Ende der Weimarer Republik sind erstmals dargestellt. 1933 nutzte Himmler den Umstand aus, dass Eicke aufgrund politischer Intrigen in die Psychiatrie eingewiesen wurde, um den eigensinnigen SS-Führer an sich zu binden. Die Nervenheilanstalt diente Himmler als Werkzeug: Eine auf den Faktoren Erziehung, Verpflichtung und Treue basierende SS-Karriere nahm ihren verhängnisvollen Lauf.

Marie-Luise von der Leyen
Max Mannheimer - Drei Leben
Erinnerungen
220 Seiten, dtv 2012,  ISBN-13: 978-3423249539, 14,90 €

Max Mannheimer verbringt eine unbeschwerte Jugend in einem Städtchen in Mähren. Ab Mitte der 30er-Jahre werden dort erste Zeichen eines politischen Umschwungs spürbar. Im Oktober 1938 erfolgt der »Anschluss« des Sudetenlandes, die deutsche Wehrmacht marschiert ein. Das alte Leben ist zu Ende. Zusammen mit vielen anderen Juden wird die Familie gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und sich ein neues Zuhause zu suchen, Einschränkungen und Schikanen nehmen zu. 1943 werden sie nach Auschwitz deportiert. Die Eltern, drei Geschwister und Mannheimers Ehefrau werden ermordet. Sein jüngerer Bruder und er überleben weitere Deportationen in die KZ Warschau und Dachau. Nach der Befreiung beginnt das dritte Leben. Max Mannheimer gründet eine Familie und verdrängt lange die Leidenszeit. Nach dem Tod seiner zweiten Frau, die für den Widerstand tätig war, schreibt er seine Erinnerungen an den Holocaust nieder. Als ›Spätes Tagebuch‹ wurden sie weltweit bekannt.

"'Ich komme nicht als Ankläger, sondern als Zeuge der Zeit', sagt er. Das macht es den Menschen leicht. Seinem Charme und Humor widersteht ohnehin kaum jemand."
Helmut Zeller in der 'Süddeutschen Zeitung'

Ruth Bullinger
Belastet oder entlastet?: Dachauer Frauen im Entnazifizierungsverfahren
160 Seiten, Utz Verlag 2012, ISBN-13: 978-3831642045, 29 €

Die Fragen nach Schuld und Verantwortung für die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen zu beantworten, ist auch knapp 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht einfacher geworden. Bereits die Instrumente, die dafür in der unmittelbaren Nachkriegszeit von den Besatzern entwickelt wurden, erwiesen sich in vielerlei Hinsicht als unbrauchbar, um die Verantwortlichen einer gerechten Strafe zuzuführen. Die deutschen Stellen, die ab 1946 für die Abwicklung der Entnazifizierung verantwortlich waren, standen schließlich vor dem Problem, eine viel zu große Gruppe formal belasteter Bürger individuell zur Rechenschaft ziehen zu müssen. Dies führte zwangsläufig zu Schwierigkeiten bei der praktischen Durchführung vor Ort. Die Folge war, dass die Mehrheit der Bevölkerung, die sich weniger als Täter denn als Opfer des NS-Systems sah, das Entnazifizierungsprogramm sehr schnell als ungerecht empfand.
In diesem Zusammenhang untersucht vorliegende Studie die Entnazifizierung in Dachau und geht dabei speziell der Frage nach, inwiefern das Konzentrationslager eine Rolle in den Verfahren der betroffenen Frauen aus Dachau spielte. Denn gerade die Dachauer mussten sich bereits seit 1945 den Vorwurf gefallen lassen, eine moralische Mitschuld an den Verbrechen im KZ zu tragen.

Kerstin Schwenke
Dachauer Gedenkorte zwischen Vergessen und Erinnern: Die Massengräber am Leitenberg und der ehemalige SS-Schießplatz bei Hebertshausen nach 1945
146 Seiten, Herbert Utz Verlag (Dezember 2011), ISBN-13: 978-3831640966, 29 €

Neben der 1965 eröffneten KZ-Gedenkstätte Dachau, die jährlich von mehreren hunderttausend Besuchern aus aller Welt aufgesucht wird, gibt es auch zwei weniger bekannte Gedenkorte in Dachau: den KZ-Ehrenfriedhof auf dem Leitenberg, auf dem sich die Gräber von über 7400 Toten des Konzentrationslagers Dachau befinden, und den ehemaligen SS-Schießplatz bei Hebertshausen, auf dem etwa 4000 sowjetische Kriegsgefangene in den Jahren 1941/42 ermordet wurden.
Die vorliegende Studie untersucht den Umgang mit diesen beiden Orten von 1945 bis zur Gegenwart und zeigt, wie sich die Formen der Erinnerung über die Jahrzehnte verändert haben.

Über den Autor
Kerstin Schwenke wurde 1983 in München geboren. Sie studierte Geschichte und Germanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universidad de Salamanca. Ihr Studium schloss sie 2008 mit dem 1. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab. Nach der Ablegung des 2. Staatsexamens ist sie seit 2010 Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau.


Eva Gruberova, Helmut Zeller
Geboren im KZ
Mütter, sieben Kinder und das Wunder von Kaufering
Mit einem Nachwort von Max Mannheimer
213 S., Verlag C.H.Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62107-9, 12,95 €

Als am 29. April 1945 die Amerikaner das Lager Dachau befreien, stoßen sie zu ihrer größten Überraschung auf sieben Frauen mit Babys. Ein Wunder wird bestaunt inmitten der Zerstörung. Das Buch von Eva Gruberová und Helmut Zeller erzählt die unglaubliche Geschichte von Eva und Miriam, zwei dieser sieben jüdischen Mütter, die verschiedene KZs durch viele glückliche Zufälle überstehen konnten und heute in Kanada und Tschechien leben.
Das Buch erzählt ihre Geschichte beginnend mit den frühen 40er Jahren, als die beiden, die eine in Ungarn, die andere in der Slowakei, junge Frauen sind, hoffnungsvoll ihr Leben planen und sich verlieben. Beide werden in den ersten Wochen ihrer Schwangerschaft nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Ohne voneinander zu wissen, durchlaufen Eva und Miriam noch zwei weitere KZs, bis ihre Schwangerschaft Ende November 1944 von der SS entdeckt wird. Sie werden in das Dachauer Außenlager Kaufering I gebracht, wo sie sich kennenlernen. Die Nachricht über die Geburt der Kinder im Winter 44/45 sorgt im Lager, in dem täglich Menschen an Hunger, Kälte und Folter sterben, für starke emotionelle Reaktion. Niemand weiß, warum die SS die Frauen und Babys nicht töten lässt. Während der Evakuierung des Lagers überstehen die Frauen mit ihren Babys auf dem Arm einen Luftangriff der Alliierten und werden schließlich in Dachau befreit. Eva erfährt, dass ihr Mann Géza nicht überlebt hat. Miriam hat mehr Glück, sie wandert mit ihrem Mann und dem Baby nach Kanada aus. Aber alle sieben Mütter finden sich nach dem Krieg wieder.

Ilse Macek
Max Mannheimer - Überlebender, Künstler, Lebenskünstler
Ausgewählte Reden und Schriften von und über Max Mannheimer
255 Seiten, Volk Verlag, München 2011, ISBN-13: 978-3862220120, 16,90 Euro

Theresienstadt, Auschwitz, das Warschauer Ghetto, Dachau - diese Orte stehen in aller Welt für die Gräueltaten des Nationalsozialismus. Max Mannheimer hat sie überlebt. Seit nunmehr 25 Jahren tritt er als Zeitzeuge vor Schulklassen, Jugendliche und Erwachsene und leiht den Opfern des Holocaust sein Gesicht und seine Stimme. Max Mannheimer ist aber viel mehr als ein Zeitzeuge: Sein ungebrochener Sinn für Humor, sein Charme und seine ausdrucksstarke Malerei sind die Facetten einer eindrucksvollen Persönlichkeit.
Mit Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung und des Vereins "Gegen das Vergessen - Für Demokratie e.V." erscheint erstmals eine Auswahl der wichtigsten Reden und Schriften von und über Max Mannheimer. Freunde, Wegbegleiter und prominente Personen der Öffentlichkeit wie Charlotte Knobloch, Hans-Jochen Vogel und Christian Ude würdigen einen Mann, der unermüdlich gegen das Vergessen kämpft und sich gegen Rassismus jeder Art stellt. Zahlreiche Bilder gewähren zusätzliche Einblicke in das Leben dieses außergewöhnlichen Zeitzeugen und Künstlers.

Barbara Thimm, Gottfried Kößler, Susanne Ulrich (Hrsg.)
Verunsichernde Orte
Selbstverständnis und Weiterbildung in der Gedenkstättenpädagogik
208 S., Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt a.M. 2010, ISBN 978-3-86099-630-0, 19,90 €

Abschlusspublikation zum 3-jährigen Projekt „Gedenkstättenpädagogik und Gegenwartsbezug“

Zwei Generationen nach dem Ende des Nationalsozialismus ist die Gedenkstättenpädagogik ein Arbeitsfeld, das sich etabliert hat. Die Professionalisierung und der Abschied von den Zeitzeug(inn)en lenken die Aufmerksamkeit auf die vielfältigen pädagogischen und psychologischen Fragen, die die Mitarbeiter(innen) bei ihrer Arbeit zu berücksichtigen haben und die bisher nicht zusammengefasst worden sind.
Da das durch NS-Gedenkstätten vermittelte Wissen tief verunsichernd ist, braucht pädagogische Ver- mittlung an diesen Orten Orientierung – für Besucher(innen) und Mitarbeiter(innen) von Gedenkstätten gleichermaßen. Um den verschiedenen Funktionen von Gedenkstätten im Spannungsfeld zwischen Wis- sensvermittlung und Gedenken gerecht zu werden, ist eine Neuverständigung über realistische Ziele und zeitgemäße Methoden nötig.
Im Rahmen des Bundesmodellprojekts »Gedenkstättenpädagogik und Gegenwartsbezug – Selbstver- ständigung und Konzeptentwicklung« haben Pädagog(inn)en aus 12 Gedenkstätten in Deutschland, Österreich und Polen ein Berufsbild Gedenkstättenpädagogik entwickelt. Ein Praxisteil mit Übungen zur Selbstreflexion zeigt auf, wie Qualifizierung und Weiterbildung in diesem Arbeitsfeld aussehen können.

Rezension in: Einsichten und Perspektiven 1/2011
Volker Koop
In Hitlers Hand: »Sonder- und Ehrenhäftlinge« der SS
300 Seiten, Böhlau Verlag, Köln 2010, ISBN: 978-3412205805, 24,90 Euro

Oppositionelle Deutsche sowie prominente Politiker aus dem europäischen Ausland wurden unter Hitlers und Himmlers Ägide als Sonder- und Ehrenhäftlinge gefangen gehalten, um als Geiseln bei Verhandlungen mit den Alliierten oder als Faustpfand für den Austausch von Kriegsgefangenen dienen zu können. In den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Buchenwald und Dachau hielt die SS jahrelang Sonder- und Ehrenhäftlinge aus dem In- und Ausland gefangen. Daneben beschlagnahmte sie zur Unterbringung hochgestellter Staatsgefangener auch Schlösser, Burgen und Hotels. Diese in der Regel streng isolierten Häftlinge hatten einen besonderen Status. Häufig wurde ihnen sogar eigenes Dienstpersonal zugestanden.
Zu den Geiseln gehörten Politiker, Militärs, Industrielle, Geistliche und Angehörige des Adels. Unter ihnen befanden sich Regimegegner wie Pastor Martin Niemöller, der Hitlerattentäter Georg Elser oder der ehemalige österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg. Besonders betroffen waren französische Politiker und Generäle, beispielsweise Léon Blum und Georges Mandel. Auch Stalins Sohn Jakob Dschugaschwili gehörte dazu. Ehrenhäftlinge waren der niederländische Ministerpräsident Hendrik Coljins, der ungarische Reichsverweser Miklós Horthy, die italienische Prinzessin Mafalda, der belgische König Leopold III. und die Familie des bayerischen Kronprinzen Rupprecht.

Dirk Riedel
Ordnungshüter und Massenmörder im Dienst der Volksgemeinschaft: Der KZ-Kommandant Hans Loritz
424 Seiten, Metropol Verlag, 2010, ISBN 978-3-940938-63-3, 24 Euro

Acht Jahre stand der Augsburger Ex-Polizist Hans Loritz an der Spitze der Konzentrationslager Esterwegen, Dachau und Sachsenhausen, ehe er 1942 die Führung von Gefangenenlagern der SS in Norwegen übernahm. Loritz übte als dienstältester KZ-Kommandant starken Einfluss auf die SS-Karrieren anderer Täter aus, unterhielt gute Beziehungen zur Nachbarschaft der Lager und verfügte über weitreichende Handlungsspielräume. Der ebenso rücksichtslose wie korrupte Lagerkommandant trieb im Dienst der „Volksgemeinschaft“ die Eskalation der Gewalt bis hin zum Massenmord zielstrebig voran.
Helmut Werner
Hitlers Alchemisten: Die Geheimen Versuche zur Goldherstellung im KZ Dachau188 Seiten, Melchior Verlag, 2010, ISBN-13: 978-3941555877 , 9,95 Euro

Gold in Dachau! Dieser interessante Tatsachenbericht dokumentiert geheime Versuche zur Goldherstellung im KZ Dachau. Schon 1937 hatte der Ing. Karl Malchus den SS-Führer Himmler davon überzeugt, dass er aus gewöhnlichem Flusssand Gold gewinnen könne. Malchus führte seine Versuche daraufhin in der düsteren Atmosphäre des KZs Dachau aus. Goldschmiedemeister Blum sollte den Erfinder bei den Experimenten unterstützen. Blums Aufzeichnungen dienen als Grundlage der Dokumentation und enttarnen den Betrüger Malchus, der bald auch Platin und Öl in der Nähe Dachaus entdeckt haben will. Ein großer spannender Schwindel!
Pascal Cziborra
Frauen im KZ: Möglichkeiten und Grenzen der historischen Forschung am Beispiel des KZ Flossenbürg und seiner Außenlager
460 Seiten, Lorbeer - Verlag, 2010, ISBN-13: 978-3938969106, 29,95 Euro

Das konkrete Schicksal von mehr als 16.000 weiblichen KZ-Häftlingen und ihrer über 500 SS-Aufseherinnen wird in der vorliegenden Studie von Pascal Cziborra zum Forschungsgegenstand erklärt. Mittels intensiver globaler Recherchen sammelte der Autor zahlreiche Daten und Zeugnisse und analysiert mit Hilfe seiner vielseitigen Bild- und Textquellen die Geschichte der Außenlager in Chemnitz, Dresden, Freiberg, Graslitz, Gundelsdorf, Hainichen, Helmbrechts, Hertine, Holleischen, Leitmeritz, Mehltheuer, Mittweida, Neu Rohlau, Nürnberg, Oederan, Plauen, Rochlitz, Venusberg, Wilischthal, Wolkenburg, Zschopau und Zwodau. Dort hatten die Frauen Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie zu verrichten. Mindestens 8200 Häftlinge hatten neben Flossenbürg auch das KZ Auschwitz Birkenau und etwa 6600 Frauen das Konzentrationslager Ravensbrück durchlaufen.
Leslie Schwartz
Durch die Hölle von Auschwitz und Dachau: Ein Junge erkämpft sein Überleben
140 Seiten, Lit Verlag 2010, 16,90 Euro

"Ich sollte nicht leben. Es ist ein Fehler. Ich wurde am 12. Januar 1930 geboren. Ich bin ein Jude. Dreimal schon sollte der Tod mich ereilt haben. Die Gründe, warum ich die Hölle überlebt habe, sind in dem Verlangen zu sehen, meine Geschichte zu erzählen. Ich hatte Alpträume. Ich dachte, wir alle wären tot und ich könnte nichts berichten. Dann hätte niemand von den Ereignissen erfahren. Nun bin ich 80. Mein Name ist Leslie Schwartz. Man nennt mich Lazarus. Warum? Der Bibel gemäß bin auch ich von den Toten auferstanden, wie Lazarus. Wenn ich meine Geschichte erzählen will, so muss es jetzt sein, jetzt bleibt mir noch Zeit." (Leslie Schwartz)
Weitere Informationen mit Leseproben beim Lit Verlag: http://www.lit-verlag.de/presse_pdf/presse_schwartz.pdf

Kai Kappel
Religiöse Erinnerungsorte in der KZ-Gedenkstätte Dachau
Deutscher Kunstverlag 2010, 96 Seiten, 8 Euro

Gesamtdokumentation der 1960-95 in der KZ-Gedenkstätte Dachau errichteten Kapellen, Kirchen und Klöster sowie der jüdischen Gedenkstätte. Darunter ist ein Hauptwerk der Nachkriegsarchitektur in Deutschland: die evang. Versöhnungskirche Helmut Strifflers. In den Blick genommen werden auch die problematischen Planungen im ersten Jahrzehnt nach der BefreiungDachau, im März 1933 als eines der ersten dauerhaften Konzentrationslager eingerichtet, ist bis heute ein Synonym für den menschenverachtenden NS-Unterdrückungsapparat, »ein Bezirk, dessen Boden uns durch die Sohlen brennt, auch wenn wir ihn nie betreten haben« (Ulrich Conrads). Bereits kurz nach der Befreiung gab es Planungen, das Dachauer Lagerareal durch Kreuzzeichen und Kirchenbauten christlich zu überformen. Zwischen 1960 und 1967, im Kontext der Einrichtung der KZ-Gedenkstätte, entstanden im Norden des Lagers »Orte der Meditation«: die katholische Todesangst-Christi-Kapelle, die jüdische Gedenkstätte und die international bekannte evangelische Versöhnungskirche. Ergänzt wurden diese durch das Kloster Karmel »Heilig Blut« sowie die russisch-orthodoxe Kapelle. Die religiösen Erinnerungsorte im Lager Dachau künden vom gesellschaftlichen Neuaufbruch und vom ernsthaften Willen zum Gedenken an die NS-Opfer. Ihre komplexe Baugeschichte wie auch ihre Kunstwerke werden in dieser reich bebilderten Publikation erstmals gemeinsam vorgestellt.
Jörg Skriebeleit
Erinnerungsort Flossenbürg: Akteure, Zäsuren, Geschichtsbilder
389 Seiten, Wallstein Verlag 2009, 39,90 Euro

Vom Stigma zum »Standortfaktor«: Das KZ Flossenbürg.
Der heutige Bekanntheitsgrad der ehemaligen Konzentrationslager leitet sich nicht automatisch von ihrer historischen Bedeutung ab. Die Erinnerung an die dort begangenen Verbrechen wird ganz entscheidend durch die Darstellung, Vergegenwärtigung, Symbolisierung und Inszenierung des Vergangenen geprägt. So gehörte das Konzentrationslager Flossenbürg, obwohl es früher als andere zur Gedenkstätte wurde, bald zu den vergessenen Lagern.
Jörg Skriebeleit analysiert die Wahrnehmungs- und Rezeptionsgeschichte des Erinnerungsortes Flossenbürg. Er befasst sich aus kulturwissenschaftlicher Perspektive mit der Frage, auf welche Weise historische Ereignisse, die mit den nationalsozialistischen Massenverbrechen verbunden sind, Eingang in das kulturelle Gedächtnis finden oder eben nicht. Der Autor skizziert nicht nur die Diskurse über das Lager. Er beleuchtet gleichzeitig den Umgang mit dem historischen Ort, seiner Umwidmung zum Siedlungsgelände, Industrieareal und zur Parkanlage. Einen Schwerpunkt legt der Autor auf die Darstellung der Akteure. Besondere Beachtung findet hierbei die Kommune Flossenbürg, deren Haltung zum früheren Konzentrationslager sich allmählich vom Stigma zum »Standortfaktor« wandelte.
Über den Autor
Jörg Skriebeleit, geb. 1968, seit 1999 Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Zahlreiche Publikationen zur Erinnerungskultur und zur Geschichte des Konzentrationslagers Flossenbürg. Im Wallstein Verlag erschienen: Konzentrationslager Flossenbürg 1938-1945. Katalog zur ständigen Ausstellung (2008)

Rudolf Kalmar
Zeit ohne Gnade
272 Seiten, Metroverlag, 1. (Neu-)Auflage, Dezember 2009, 16,90 Euro

Unmittelbar nach dem "Anschluss" Österreichs an Hitler-Deutschland im Jahr 1938 wurde der Journalist Rudolf Kalmar mit dem ersten Transport politischer Gefangener in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Das Zeugnis seines Überlebens sollte keine systematische Darstellung über sieben Jahre in den "Todesmühlen" werden, vielmehr versuchte er »die kleinen Dinge am Rande« zu sehen. 1946 in einer Auflage von 30.000 Stück erschienen, erregte »Zeit ohne Gnade« weit über die Grenzen Österreichs hinaus großes Aufsehen.
Die vorliegende Ausgabe macht einen der zentralen Texte der österreichischen Lagerliteratur der Öffentlichkeit wieder zugänglich und bietet mit einem Kommentar und Aufsätzen zur Biografie des Autors und Rezeptionsgeschichte interessante Einblicke in die frühen Jahre der Zweiten Republik. "Ja, so war Dachau wirklich!" (Hermann Langbein)

Dachauer Heft 25, Die Zukunft der Erinnerung
250 Seiten, 14 Euro
Sabine Schalm
Überleben durch Arbeit? Außenkommandos und Außenlager des KZ Dachau 1933-1945

368 Seiten, Metropol Verlag 2009, 21 Euro
Alois Epple
KZ Türkheim: Das Dachauer Außenlager Kaufering VI

156 Seiten, Lorbeer Verlag, 2009, 19,95 Euro

„ [...] es gibt nur zwei Rassen von Menschen, die Anständigen und die Unanständigen.“ Mit diesen Worten stellt sich der in Türkheim befreite, ehemalige Häftling Dr. Viktor E. Frankl gegen das Konstrukt der Kollektivschuld und nimmt damit auch seinen ehemaligen Lagerkommandanten Karl Hofmann in Schutz. Das Lager ‚Kaufering VI’ der Organisation Todt war dem KZ Dachau unterstellt und beherbergte während seines Bestehens mehrere Tausend jüdische Häftlinge, gegenüber denen sich Hofmann weitestgehend human benommen haben soll. Die Frauen und Mädchen waren aus den Außenlagern Landsberg und Burgau überstellt worden und hatten davor auch die Konzentrationslager Ravensbrück, Bergen Belsen oder Auschwitz durchlaufen. Eine große Anzahl ungarischer Juden wurde direkt aus Budapest nach Türkheim deportiert. Andere wurden aus den Kauferinger Außenlagern und dem Stammlager Dachau abkommandiert oder ins Türkheimer ‚Schonungslager’ eingewiesen. Im April wird die Mehrheit der Häftlinge schließlich nach Allach bei München evakuiert. Nur etwa 500 Häftlinge werden am 27. April 1945 in Türkheim von den Alliierten befreit. Dr. Alois Epple führte zahlreiche Interviews und eine umfangreiche Korrespondenz mit vielen Zeitzeugen und rekonstruiert anhand einer breiten Quellenbasis die Lagergeschichte.
Michael Shermer and Alex Grobman Berkeley
Who Says the Holocaust Never Happened and Why Do They Say It?

University of California Press, 2009 $18.95 (paperback)

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